| In den
späten 70er Jahren hat der schwedische Sozialwissenschaftler und Bevölkerungsstatistiker
Gunnar Heinsohn eine Reihe von Untersuchungen publiziert, in denen er einen Zusammenhang
zwischen Hexenverfolgung und Geburtenregelung herstellen konnte. Was andere als Ausdruck
einer mittelalterlichen Kollektivneurose ins Reich finsteren Aberglaubens abgeschoben
haben, hat Heinsohn als Hinweis auf damals verbreitete Methoden der Geburtenregelung
dechiffriert. Die Inquisition war demzufolge ein Vernichtungsfeldzug gegen die Macht der
Hebammen und weisen Frauen. Pest und Kriege
jener Jahre hatten einen galoppierenden Bevölkerungsschwund bewirkt, der unter der
herrschenden Schicht einige Besorgnis weckte .Von der Geburtenkontrolle der Hebammen wurde
diese fallende Statistik zusätzlich gefördert. In diesen Krisenzeiten wollten sie den
Frauen nicht auch noch ungewollte Schwangerschaften zumuten.
Bei der Durchforstung der theologischen Schriften
jener Zeit stieß Heinsohn immer wieder auf mehr oder weniger verdeckte Vorwürfe der
Geburtenkontrolle, Empfängnisregelung und Schwangerschafts-unterbrechungen. Da wurde
gegen jene gewettert, "die ihren Geliebten Getränke reichen, damit sie nicht in
Verlegenheit kommen, oder auch bestimmte Kräuter, die die Natur allzu sehr erkälten,
ohne Hilfe der Dämonen. Daher sind sie wie Mörder zu bestrafen, auch wenn sie reuig
sind. Die Hexen aber, die durch Hexenkünste derlei bewirken, sind nach den Gesetzen aufs
Härteste zu strafen."
Anzunehmen ist, daß nicht nur Kräutermedizin,
sondern auch die Beobachtung des Mondes eine maßgebliche Grundlage der mittelalterlichen
Geburtenkontrolle darstellte. Kam doch diesem erdnächsten Planeten schon nach antikem
Glauben eine vorrangige Rolle im Einfluß auf die allgemeine Fruchtbarkeit zu.
Himmelsobservatorien, wie sie in der Frühgeschichte Mesopotamiens, Chinas und auch
Europas bekannt waren, haben vermutlich auch der geregelten Planung der menschlichen
Reproduktion gedient. Alte Bauernkalender, die den Mond- und oft auch noch den
Planetenstand anführen, belegen für unsere nächste Umgebung, wie sehr sich der Mensch
als Bestandteil kosmischer Rhythmen verstand, deren Zyklen der Erneuerung und
Fortpflanzung nicht nur die Welt der Natur bestimmten, sondern den Menschen ganz
selbstverständlich mit einschlossen. Aussaat, Ernte, Holzschnitt, Lagerung von
Lebensmitteln bis hin zu Gartenbau , Haushalt und Körperpflege unterstanden nach
herrschendem Volksbrauch gewissen Mpndphasen, die sich auf derlei Tätigkeiten
vorteilhaft, ungünstig oder auch schädlich auswirken sollten. Frauen sind aufgrund ihrer
Menstruation, die im Zyklus eines einfachen Mondumlaufs um die Sonne eintritt, mit diesem
die Fruchtbarkeit regulierenden Himmelskörper besonders eng verbunden.
Diese archaischen Blutsbande zwischen
Weiblichkeit und Mond, wie sie auch in Märchen und Symbolen überliefert sind, hat ein
tschechisches Ärzteteam auf wissenschaftliche Grundlagen gestellt und somit altes
(Frauen?-)wissen nach modernen medizinischen Methoden erneuert. Der Prager Frühling, für
den sich die liberalen Mediziner engagiert hatten, hatte u.a. auch eine Liberalisierung
des Sexuallebens ermöglicht und bestärkte den menschlichen Wunsch nach Selbstbestimmung
und Eigenverantwortlichkeit.
Als Ärzte waren sie immer wieder damit
konfrontiert worden, daß Frauen an vermeintlich unfruchtbaren Tagen empfangen hatten oder
sich ebenso häufig ein Kinderwunsch nicht erfüllte, obwohl man sich an den angeblich
fruchtbaren Tagen orientiert hatte. Sie waren sich durch die Literatur der kosmischen
Einflüsse von Sonne und Mond bewußt und kannte auch die Techniken der |
Himmelsbeobachtung
alter Kulturen. Aber die entscheidenden Zusammenhänge ergaben sich erst aufgrund
umfangreicher empirischer Untersuchungen. Dabei stellte sich heraus, daß die Stellung von
Sonne und Mond zueinander (also die Mondphase) zur Zeit der Geburt der Frau der
entscheidende Faktor war. War die Frau also beispielsweise an einem Neumond geboren, wurde
sie auch zu 85% Wahrscheinlichkeit bei irgendeinem Neumond schwanger. Die restlichen 15%
sind auf den bekannten Periodenzyklus und andere Faktoren zurückzuführen. Dieser
Mondphasenzyklus ist das ganze Leben vollkommen regelmäßig und unterliegt, anders als
die weibliche Periode, keinerlei Schwankungen. Da in der Regel beide Zyklen
unterschiedlich lang sind, verschieben sie sich im Laufe der Zeit gegeneinander. Was das
Phänomen erklärt, daß manchmal die fruchtbarsten Tage der Frau (entsprechend ihrem
Mondphasenzyklus) während der Zeit ihrer Periode liegen. So wird verständlich, warum
viele Frauen kurz vor, während oder nach ihrer Periode schwanger wurden, also an Tagen,
die traditionell als relativ sicher gelten. Jede Frau hat also zwei voneinander völlig
unabhängige Zyklen, nämlich den Mondphasenyklus und den bekannten Periodenzyklus, die
beide zu berücksichtigen sind, um echte Sicherheit zu erhalten. In der Aufbruchsstimmung der 60er Jahre von offizieller
Seite unterstützt, konnte das Ärzteteam umfangreiches Datenmaterial zum Thema
erstellen und so auch die Sicherheit ihrer Methode überprüfen. Die Erfolgsrate lag bei
ca. 98%, was identisch mit der durchschnittlichen Sicherheit von Pillenpräparaten
(Pearl-Index) wäre. Bleibt zu ergänzen, daß mit dem Ende des Prager Frühlings auch mit
der aufgeklärten Geburtenkontrolle Schluß gemacht wurde. Die Methode der
Geburtenregelung durch Errechnung der Mondphasen hat sich zwar in Europa herumgesprochen
und wird auch in den USA praktiziert, offizielle Unterstützung, die breit angelegte
Zahlenerhebungen möglich machen würde, blieb freilich aus. Die Methode kursiert als
Geheimtip, der angesichts wachsender Pillenmüdigkeit aber noch an Bedeutung gewinnen
könnte.
In Deutschland hat ein kleines Institut die
Initiative ergriffen und bietet die individuelle Berechnung der Mondphasen und die
Erstellung eines Fruchtbarkeitskalenders als Serviceleistung an. Garantien werden
natürlich keine übernommen. Die Beobachtung des mitunter labilen Periodenzyklus ist
damit den Frauen nicht abgenommen, legen sie auf absolute Verläßlichkeit Wert. Darüber
hinaus erlaubt diese natürliche Methode der Empfängniskontrolle auch die Errechnung
jener Zeitpunkte, die für eine Empfängnis besonders günstig sind.
Was bislang aussteht, ist die Aufmerksamkeit
staatlicher und vor allem kirchlicher Stellen, die an derartigen sanften, zur
Selbstbestimmung und Eigenverantwortlichkeit ermunternden, natürlichen Methoden der
Empfängnisregelung lebhafteres Interesse zeigen müßten, als dies bisher der Fall war.
Gertrud Steiner
Berechnung durch:
Mathematisch-Astrologisches Institut
Buchwaldstr. 19, D-63303 Dreieich
Email: Info@astrobaby.de
Literatur:
Gunnar Heinsohn,Otto Steiger: Die Vernichtung der
weisen Frauen, Hexenverfolgung, Kinderwelten, Menschenproduktion,
Bevölkerungswissenschaft, Heyne-Verlag, München, 1985
Shalila Sharamon, Bodo J. Baginski:
Kosmobiologische Empfängnisplanung
Windpferd Verlag, Durach 1998.
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